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Tagebuch MdS 2007

Etappe 5

 

Freitag, 30.03.2007 – Etappe 5
JEBEL OUEST DU KFIROUN / ERG CHEBBI – 40,2 km




letzte Nacht sind Christian und ich im Sandsturm, auf allen Vieren eine Düne hoch gekrabbelt und auf dem Dünenkamm mit den Köpfen zusammengeknallt. Wir haben nach 70 Kilometern die Lichter des Bivouacs vor uns gesehen und trotz Sand in Mund und Augen so richtig herzhaft gelacht!



(Donnerstag, 29.02.2007 – Ruhetag)

...herrlich – liegenbleiben und faulenzen zu können! Gerade ist auch unsere Brigid eingetroffen – Zelt 55 ist wieder einmal vollständig!
Die gestrigen 70 Kilometer stecken uns in den Knochen. Die Beine sind schwer, die Füße geschwollen, Rücken und Schultern schmerzen vom Rucksack, aber das wunderbare Gefühl diese Etappe überwunden zu haben wiegt das alles auf und macht uns alle so richtig zufrieden. Heute ist Zeit zu regenerieren und die Ausrüstung auf Vordermann zu bringen

Irgendwann im Laufe des Vormittags werden wir zu einem außerordentlichen Breefing gerufen. Ein sichtlich bewegter Patrick Bauer informiert uns, dass in der vergangenen Nacht ein 48-jähriger Franzose verstorben ist. Er hat die lange Etappe an 46. Stelle liegend beendet und war guter Dinge als er sich abends schlafen gelegt hat. Er ist nicht mehr aufgewacht!
Die Versammlung hat sich nur sehr zögerlich aufgelöst und es waren viele betroffene und nachdenkliche Gesichter zu sehen!

 

Wüstenmarathon

Ein „Wüstenkilometer“ zählt für mich doppelt – und doch schrecken mich die heute zu laufenden 42,2 km nicht mehr! Auch diese Distanz werde ich bewältigen. Die Beine sind noch etwas schwer und die Blasen drücken heute etwas mehr, aber was solls! 167 der insgesamt 221 Kilometer sind inzwischen gelaufen. Das Rucksackgewicht hat sich auf ca. 5 - 6 Kilo reduziert und der Körper hat sich an die Hitze gewöhnt. Es KANN nichts mehr schiefgehen!
Wäre super die Strecke in sechs Stunden laufen zu können, dann – alter Junge – hast du nur noch das morgige „Auslaufen“ vor dir..................

Im Startraum wärmt sich Wolfgang auf. „Heute werde ich Gas geben“ hat er schon am morgen wissen lassen. Heute ist er so richtig gut drauf!
Schon beim Loslaufen habe ich das Gefühl ich schleppe einen Baumstamm hinter mir her. Beine, Schuhe, Rucksack – alles ist schwer wie Blei. Die 10 km bis CP1 sind eine pure Selbstüberwindung. X-mal bin ich versucht zu stoppen und einfach weiter zu gehen. Ich gebe mir selbst nicht nach – vergewaltige mich buchstäblich selbst und laufe. „Gehen kannst du später immer noch, jetzt sind das Gelände und der Untergrund ideal zum Laufen! Also Lauf!!!“

Ab CP1 ist alles anders. Plötzlich – ohne ersichtlichen Grund – kehrt sich alles ins Gegenteil! Die Füße heben und senken sich beinahe ohne Mühe, der Atem geht ruhig und der Rucksack ist kaum noch zu spüren. Ich mache Kilometer ohne es richtig zu registrieren. Der Untergrund bleibt ideal....

Die Kilometer schmelzen dahin. Irgendwann überhole ich Wolfgang – komme in Sanddünen die wunderbar zu laufen sind – überwinde auch diese ohne gehen zu müssen und bin beinahe beleidigt in den CP`s anhalten zu müssen

Nach CP3 ziehen sich leichte Wolken vor die Sonne und die Hitze wandelt sich in eine angenehme Wärme. Die Landschaft wird hügelig und in den leichten Anstiegen überhole ich immer wieder andere Läufer. Ein älterer Franzose hängt sich bei mir an und läuft immer einen Schritt hinter mir. Dabei keucht er wie eine Lokomotive, was mich total irritiert. Außerdem habe ich Angst dass er mir auf die Fersen tritt, so dicht ist er hinter mir.
Ich erhöhe das Tempo, was mich selbst etwas außer Atem bringt, brauche aber trotzdem zwei bis drei Kilometer bis ich den Franzosen abgeschüttelt habe.
Als ich genügend Abstand zwischen und gebracht habe schalte ich wieder einen Gang zurück und laufe 20 Minuten später frisch und locker im Ziel ein!

Unsere „Gazelle“ Marcel ist natürlich schon seit zwei Stunden im Camp, Matthias und Christian sind ebenfalls schon da, aber ich bin mit mir selbst trotzdem sehr zufrieden. Für die 42,2 km habe ich 5:22:14 Stunden gebraucht – und fühle mich großartig!

Fünf der 6 Etappen, 209 der 221 Kilometer sind gelaufen und der Körper hat noch immer nicht auf „Reserve“ umgeschaltet! Zwischen mir und einer Woche Schlemmern in Quarzazate liegen nur noch 11,7 km und die schönsten Dünen des ganzen Laufes.

 

(c) Marathon des Sables
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