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Tagebuch MdS 2007

Etappe 3

 

Dienstag, 27.03.2007 – Etappe 3
JEBEL EL OFTAL / JEBEL ZIREG OUEST – 32,3 km



Weisheit der Berber
Der Weg zur Macht führt durch die Paläste,
Der Weg zum Reichtum durch die Bazare,
Der Weg zur Weisheit aber führt durch die Wüste.



Wolfgang schau mal - was würdest du da machen?

unser Doktor kann nicht einmal in Ruhe seine eigenen Blasen versorgen. Natürlich will jeder seinen fachmännischen Rat hören. „Verwende ich auch das richtige Desinfektionsmittel oder soll ich mir bei den Doc-Trotters ein anderes besorgen?“ „Soll ich die Blase trocknen lassen oder gleich tapen?“ „geh ich zu den Doc`s oder mach ich selbst?“………………………
Manchmal wird sich unser Wolfgang gewünscht haben er hätte nie erwähnt dass er Arzt ist!



Jeder in unserem Zelt hat Blasen – der eine mehr, der andere weniger. Die Behandlung und Verpflegung dieser „Geißeln des Marathons“ sind ein primäres Thema. Nach dem Zieleinlauf am Nachmittag und morgens vor dem Start wird beträchtliche Zeit dafür aufgewendet, dass die Füße wieder in die Schuhe passen. Die Schmerzen, die zumindest die ersten Schritte verursachen, kennt jeder.

Zeit Freundschaften zu knüpfen

Die Hektik der ersten Tage weicht langsam der Routine. Schlafen, Kochen, Essen und die Pflege der Füße und der Ausrüstung bestimmen das Lagerleben. Jetzt ist die Zeit Freundschaften zu knüpfen oder zu vertiefen.


Generalprobe

Die heute zu laufenden 32,3 Kilometer sind nach dem Roadbook nicht allzu spektakulär. Vielleicht wirft aber auch nur die morgige Etappe mit 70,5 km ihre Schatten voraus und macht die heutige Etappe zur Generalprobe.
Die ersten 10 Kilometer sind beinahe leicht zu laufen, die Temperaturen angenehm und der Untergrund fest und mit nur wenigen Steinen. Nach 1:11 Stunden erreiche ich CP1 gut gelaunt und mit lockeren Beinmuskeln. Der Checkpoint liegt in einer Oase, die sich schon von weitem mit Palmen angekündigt hatte. Ich mache nur eine kurze Pause, fasse meine Wasserration aus und laufe weiter.




Nach CP1 wird der Untergrund sandig. Reifenspuren, die von allen Seiten Richtung der Oase verlaufen machen den Sand beinahe unbegehbar. Das Laufen wird zur Tourtour, da jeder Schritt mit einem enormen Kraftaufwand verbunden ist. Die Füße versinken im glühenden Sand, rutschen seitwärts und nach hinten weg. Die Sonne brennt unbarmherzig vom stahlblauen Himmel und kein Lüftchen regt sich. Die Zunge hängt mir wie ein Stück trockenes Leder im Mund und ich verlege mich darauf alle fünf Minuten einen kleinen Schluck Wasser zu trinken. Ich habe das Gefühl dass jeder Tropfen Wasser den ich trinke sofort wieder verdunstet. Mein Hals ist so trocken, dass ich das Gefühl habe das Wasser kommt überhaupt nicht im Magen an.
Der Sand hört und hört nicht auf – im Gegenteil – das Gelände wird uneben und immer wieder ziehen sich Dünen durch den Weg. Mein Thermometer zeigt 49° C.
Auch die Läufer vor mir werden langsamer. Ich schließe auf Anke auf und passe mich ihrem Tempo an. Dieses – nur um eine Frequenz verringerte Tempo – tut mir gut und ich erhole mich etwas.

Trotzdem zieht sich der Weg bis CP2 scheinbar endlos hin und ich erreiche diesen total „ausgelutscht“.
Diesmal nehme ich die angebotene zweite Flasche Wasser in Empfang und gieße sie mir über den Kopf, den Nacken und die Arme. Ich trinke den Rest des Wassers den ich noch von CP1 in der Flasche habe ex und schlinge einen Powerriegel hinunter.
Anke ist bereits wieder weg. Beim Gedanken, weiterlaufen zu müssen, könnte ich in Tränen ausbrechen. Ich bin hundekaputt. Es ist Mittagszeit und die Sonne steht wie ein Brennglas direkt über mir.

......... du hast dir die Suppe selbst eingebrockt, nun löffle sie auch selbst aus!!!

Es wäre eine Wohltat, jetzt jemandem die Schuld für diese Situation in die Schuhe schieben zu können, jemanden so richtig zur Sau zu machen. Aber – das habe ich mir ja alles selbst ausgesucht!
Also – auf uns weiter – auch diese 11 Kilometer wirst du noch schaffen!
Die nächsten zwei Stunden sind eine einzige Schinderei. Ein wahres Wunder, dass der Geist den Körper noch immer weitertreibt. Irgendwann stehe ich – nach einer Serie von Aufstiegen auf dem „Jebel Zireg“ und sehe die weite Ebene unter mir. Noch ist das Bivouac nicht zu sehen, es können aber maximal noch 4 Kilometer bis dorthin sein. Ich mobilisiere zum x-ten Mal meine allerletzten Reserven, überhole sogar noch ein paar Läufer. Irgendwann stoße ich auf Anke und laufe nach 4:43 Stunden mit ihr gemeinsam durchs Ziel.

„Wie“ frage ich mich, als ich im Zelt liege: „Wie soll ich morgen 70 Kilometer laufen?“

(c) Marathon des Sables
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