Montag,
26.03.2007 – Etappe 2
KHERMOU / JEBEL EL OFTAL – 35 km
Christian,
unser Bayer, am Morgen nach der ersten Wüstennacht:
"mo, heit Nocht hot oba oanar schiach gschnorcht".
Drei wie aus einem Munde: "Ja DU"
km 29,1 "difficult
climb" average 25% slope to reach summit ( Auszug a.d.
Roadbook)
Die 2. Etappe hat es laut Roadbook in sich. Auch Patrick
Bauer warnt beim morgendlichen Briefing: „Verausgabt
euch nicht vor Checkpoint 3 – danach kommt ein Anstieg
mit bis zu 25% der sich gewaschen hat. Überhaupt –
die heutige Strecke hat`s in sich!“
Insgesamt sind auf diese 35 km über 1.000 Höhenmeter
zu bewältigen. Stellt man sich so die Wüste vor?
Die Startzeremonie ist jeden Tag wieder erhebend. Du kannst
noch so ausgelaugt sein, deine Füße können
dich noch so schmerzen – im Zielraum bst du wieder
voller Optimismus. Beim Startzeichen preschen alle los und
erst nach ein paar hundert Metern kriegst du dich wieder
ein und findest deinen Rhythmus.
endlos scheinende
Weiten und immer wieder gerölldurchsetzte Anstiege
Die ersten vier Kilometer geht es durch schlecht zu laufenden,
weichen, mit Gras durchsetzten Sand. Eine weite freie Fläche
die im Hintergrund einen Anstieg erkennen lässt. Die
morgendliche Kühle wandelt sich in eine angenehme Wärme.
Der Aufstieg ist schweißtreibend.
Auf dem Pass angelangt geht’s wieder ins Tal und den
nächsten Pass hoch. Danach breitet sich ein endlos
scheinendes Tal vor mir aus. Der Körper stellt sich
auf das kraftaufwendige Laufen ein und ich trabe im gemäßigten
Tempo bis CP1 mitten in der Ebene. Mittlerweile ist es heiß
geworden. Die Luft flimmert und kein Windhauch regt sich.
Matthias, den ich bei CP1 getroffen habe ist schon weitergelaufen.
Der Körper hat längst auf Automatik umgeschaltet
und die Beine heben und senken sich beinahe von selbst.
Die Gedanken schweifen ab und lassen minutenlang Strapazen
und Hitze vergessen. Ich überhole Anke in der folgenden
steinigen Hügellandschaft und erreiche etwas angeschlagen
CP2 nach 2:44 Stunden. Die ersten 20 Kilometer wären
geschafft. Schnell noch einen Riegel zur Stärkung und
dann geht’s wieder los Richtung CP3.
Die ersten Schritte sind mühsam – die Oberschenkel
schmerzen und die die Blasen vom Vortag machen sich bemerkbar.
Die Hitze hat noch etwas zugenommen und der sandige Untergrund
zieht die letzte Flüssigkeit aus dem Körper. Regelmäßiges
Trinken ist die Voraussetzung um die „Maschine Mensch“
nun überhaupt noch in Bewegung zu halten.
Die Kilometer werden lang und länger und vor mir in
der Ebene erhebt sich ein Bergmassiv von beängstigendem
Ausmaß. Je näher ich komme, umso höher türmt
sich der Berg auf. Da soll ich wirklich hoch –wie
soll das denn zu schaffen sein?
In CP3 – unmittelbar vor dem Anstieg – trinke
ich noch einmal und nehme einen weiteren Riegel zu mir.
Die Pause tut mir gut – stärkt mich auch moralisch!
…. da musst du
den Kopf in den Nacken legen um den Gipfel zu sehen!
Der
Fuß des Berges besteht aus Sand, der sich bei jedem
Schritt wie eine Manschette um deinen Fuß legt und
dich zudem einen halben Schritt zurückrutschen lässt.
Sobald du den Fuß hebst, füllt sich die Spur
wieder mit Sand als ob du niemals hier gegangen wärst!
Nach 50 Höhenmetern bin ich schweißgebadet und
außer Atem
In meiner Verzweiflung hänge ich mich an einen kräftig
ausschauenden deutschen Kollegen und versuche unmittelbar hinter
ihm in seine Fußstapfen zu treten. He - das geht ja
schon gleich viel besser! Die Tritte sind fester und das
Zurückrutschen ist auf ein Minimum reduziert. Mein
Puls beruhigt sich und der Atem geht wieder kontrolliert.
Vermutlich ist das was ich da praktiziere genauso unfair
wie das „Windschatten“ fahren bei den Rennradprofis!
Die Rechnung bekomme ich nach einigen hundert Metern bereits
präsentiert. Der sportliche Deutsche ist nun seinerseits
außer Atem – und lässt mir den Vortritt!
Nun bin ich derjenige der spurt!
Nach der Sandpassage kommen wir in immer größer
und steiler werdendes Felsgelände. Vor uns gibt uns
ein Stau die willkommene Gelegenheit etwas stehen zu bleiben
und die zitternden Oberschenkel auszuruhen. Die „Flachländer“
vor uns sind in diesem „Hochgebirgsgelände“
sichtlich überfordert und bewegen sich sehr vorsichtig.
Das langsamere Tempo ist meinem „Bergkameraden“
und mir aber höchst willkommen! Eine freundliche Aufforderung
der belgischen Gruppe - doch vorzugehen – weisen wir
großmütig zurück.
Das
obere Drittel des Berges ist derart von Sandbänken
durchsetzt, dass ein Vorwärtskommen nur anhand der
angebrachten Stahlseile möglich ist. Das Erreichen
des Gipfels ist eine unbeschreibliche Erleichterung. Mein
Weggefährte und ich schütteln uns die Hände
und grinsen uns an. Als ich mich umdrehe steht Matthias
hinter mir und ist am Fotografieren! Die Aussicht ist grandios!
Der Abstieg ins Tal ist beinahe so spektakuläre wie
der Aufstieg. Gott sei Dank bietet sich Matthias als Führer
an. Er sucht trittsicher einen Weg durch ein gigantisches
Flussbett mit blank geschliffenen Felsen und Geröll
von unheimlicher Größe. Hier müssen regelmäßig
gewaltige Wassermassen durch brausen! Hier einen falschen
Schritt zu setzen bedeutet unweigerlich das Ende des Wüstenabenteuers.
Dank „Matze“
brauche ich nicht nach dem Weg zu suchen, sondern hefte
mich einfach an seine Fersen und kann grade mit Mühe
und Not sein Tempo mithalten bis ins Tal.
Die restlichen fünf Kilometer sind beschwerlich, aber
mit dem Wissen, was alles hinter mir liegt, komme ich schließlich
nach 5:34 Stunden ins Ziel.
Die
drei Wasserflaschen die ich beim Zieleinlauf ausfasse kann
ich kaum ins Zelt 55 schleppen, so ausgelaugt bin ich.
Natürlich sind Marcel, Kai und Christian schon da!
Ich lasse die Flaschen lässig auf meinen Platz fallen.
„Hallo Freunde, wie geht’s?“
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